Bernd Kaßebaum

IG Metall Vorstand, Allgemeine Bildungspolitik

Die Kooperation zwischen Wissenschaft und Arbeitswelt, zwischen Hochschulen und Gewerkschaften ist – so sehr sie von Vielen in Frage gestellt wird - dringender denn je. Wichtige und für die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer relevanten Themenstellungen haben im Wissenschaftssystem kaum noch Platz: Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen in qualifizierten Diskursen für arbeitsorientierte Forschung gewonnen werden. Studierende sind eine wichtige Gruppe für die Gewerkschaften geworden. Aber auch das Hochschulsystem selbst ist einem weitreichenden und Interesse geleiteten Wandel unterworfen. Dafür steht nicht nur die Propagierung der „unternehmerischen“ oder „deregulierten“ Hochschule. Die Umgestaltung des tertiären Bereich schreitet durch Studiengebühren, Excellenz-Initiativen, Bologna-Prozess und die massive staatliche Förderung privater Hochschulen stetig voran.

Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung, eine an Persönlichkeitsentwicklung und beruflicher Qualifizierung ausgerichtete Lehre, Hochschulen als Orte guter wissenschaftlicher Aus- und Weiterbildung, die Verbesserung der sozialen Durchlässigkeit, kurz, das Einsetzen für eine demokratische und soziale Hochschule sind daher gewerkschaftliche Kern- und Zukunftsthemen. Die Kooperationsstellen sind Orte des Diskurses und der Verbreiterung dieser Politik. Sie haben an der Schnittstelle zwischen Gewerkschaften und Hochschulen wichtige Dialog-, Transfer- und Initiativaufgaben.

Sie sind eingebunden in regionale Netzwerke, decken ein breites thematisches Spektrum ab und sie sind eine wichtige Plattform für wissenschafts- und hochschulpolitische Debatten. Kooperationsstellen brauchen Zukunft. Dafür müssen sich auch die Gewerkschaften einsetzen. Sie müssen auch selbst weiter an ihrer Zukunft arbeiten: die Praxis des „kooperativen Wissensmanagements“ kann dabei hilfreich sein.

(2010)