Prof. Dr. Detlev Reymann

Präsident der Hochschule RheinMain-Wiesbaden-Rüsselsheim-Geisenheim

Ich glaube, dass weitgehend unumstritten ist, welch hohen Stellenwert Wissen, akademische Bildung und Forschung sowohl für die Gesellschaft und Wirtschaft unseres Landes als auch für die persönlichen Zukunftsaussichten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben. Insofern ist es wichtig, dass Hochschulen die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften pflegen und ausbauen. Kooperationsstellen bieten die hervorragende Möglichkeit, dies nicht in zufälliger und von Einzelpersonen abhängiger Weise zu tun, sondern sich in einem institutionellen Rahmen einer kontinuierlichen und zielgerichteten Arbeit zu widmen. Aus meiner Sicht und Erfahrung ist es dabei wichtig, dass sich die Zusammenarbeit nicht nur auf Themen beschränkt, die unmittelbaren Bezug zur Arbeitswelt aufweisen. Sowohl die Auswirkungen von Wissenschaft und Forschung auf das Arbeitsleben als auch die Tatsache, dass in der Arbeitswelt von morgen der Großteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine akademische Ausbildung durchlaufen haben werden, sollte Grund genug für Gewerkschaften und Hochschulen sein, die Zusammenarbeit auszubauen. Vielleicht kann die Kooperation aber auch helfen, die Situation der Beschäftigten an den Hochschulen stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Um die Bedeutung des Engagements der Gewerkschaften zu unterstreichen sei beispielsweise auf das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm hingewiesen, in dessen Rahmen von 2007 bis 2013 gut 54 Mrd. Euro für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt werden. Die offizielle Zielsetzung des Programms wird im „Vertrag von Amsterdam“ wie folgt beschrieben:

„Vordringliches Ziel dieses Forschungsrahmenprogramms der EU ist es, die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der in der Gemeinschaft angesiedelten Industrie zu stärken und die Entwicklung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit zu fördern sowie alle Forschungsmaßnahmen zu unterstützen, die aufgrund anderer Politikbereiche der Gemeinschaft für erforderlich gehalten werden.“

Kooperationen zwischen Gewerkschaften und Hochschulen können dazu beitragen, dass Wissenschaft und Forschung nicht einseitig die Fragestellungen der Industrie aufgreifen und lediglich die Wettbewerbsfähigkeit im Auge haben, sondern dass die Perspektive der Arbeitnehmer/innen und deren Familien angemessen berücksichtigt werden.

Ich bin der Hans-Böckler-Stiftung ausgesprochen dankbar, dass sie die Arbeit der Kooperationsstellen unterstützt und die Gründung der gemeinsam von der Hochschule RheinMain, der Fachhochschule Frankfurt a.M. und der DGB-Region Frankfurt RheinMain getragenen Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften Frankfurt-Rhein-Main ermöglicht hat. Ich wünsche mir, dass sich die Kooperationsstellen mit ihrer Arbeit als selbstverständlicher Dialog zwischen Wissenschaft und Arbeitswelt noch stärker etablieren werden und wir noch weitere Kooperationsstellen gründen können.

(2010)