Dr. Wolfgang Jäger

Geschäftsführer der Hans-Böckler-Stiftung

Als Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes arbeitet die Hans-Böckler-Stiftung an der Nahtstelle zwischen Hochschulen und Gewerkschaften, zwischen Wissenschaft und Arbeitswelt. Seit 30 Jahren unterstützt sie den Aufbau und die Arbeit der Kooperationsstellen, die sich an regionalen Hochschulstandorten den Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Arbeitswelt zur Aufgabe gemacht haben.

Die Kooperationsstellen bewegen sich auf sensiblem Boden. Um so erfreulicher ist es, dass sie sich unter teilweise schwierigen Rahmenbedingungen behauptet haben. Seit 1990 ist mit der Etablierung von Kooperationsstellen in Ostdeutschland neuer Schwung in die Kooperationslandschaft der gesamten Bundesrepublik gekommen, zahlreiche Kooperationsstellen konnten neu geschaffen werden, die Gründung weiterer Kooperationsstellen steht in Aussicht. Die Hans-Böckler-Stiftung hat seit 1990 fast 5 Mio. € für die Gründung und die Entwicklung von Kooperationsstellen zur Verfügung gestellt und wird sich auch künftig an Anschubfinanzierungen beteiligen. Damit will sie dazu beitragen, dass Strukturen geschaffen werden können, die solide Arbeitsperspektiven der Kooperationsstellen vor Ort gewährleisten.

Aufgaben und Ziele der Kooperation beziehen sich auf Forschung, Lehre und Weiterbildung

Im Kontext der Forschung geht es um Wissenstransfer aus den Hochschulen in die Arbeitswelt, aber auch – dies darf nicht unterschätzt werden – aus der Arbeitswelt in die Hochschulen, um Fragen und Problemstellungen, denen sich die Hochschulen im Interesse der Arbeitswelt und in ihrem eigenen Interesse stellen sollten.

Der Kontext der Lehre war bislang in der Kooperationsarbeit eher unterbelichtet. Arbeitswelt zum Gegenstand der Lehre zu machen und Repräsentanten der Arbeitswelt in die Lehre einzubeziehen – dies ist entwicklungsbedürftig und entwicklungsfähig und es wäre eine neue Qualität des Wissenstransfers, dem die Fachhochschulen heute schon eher gerecht werden als die Universitäten. Arbeitswelt in der Lehre ist auch ein wichtiger Aspekt für die Berufsorientierung der Studierenden und für die Verbesserung ihrer Chancen auf einen erfolgreichen Übergang in den Beruf. Die Kooperationsstellen sollen dabei mitwirken, dass Studierende ihre beruflichen Positionen fachkompetent und sozial verantwortlich wahrnehmen.

In der Weiterbildung vermitteln die Kooperationsstellen Angebote überwiegend für Betriebs- und PersonalrätInnen, dieses Profil kann und muss als drittes Segment und ambitioniertes Angebot des Wissenstransfers für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sicherlich erweitert werden.

Die Gewerkschaften reflektieren das Problem des Kontaktes zu den Hochschulen und zum wissenschaftlichen Nachwuchs, aber die notwendigen Konsequenzen, um den Dialog mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs in den Hochschulen zu befördern, sind noch nicht gezogen. Die 68er Generation der HochschullehrerInnen, die in weiten Teilen kooperationsbereit war und ist, hat die Hochschulen zu einem großen Teil bereits verlassen. Für die Gewerkschaften wächst die Gefahr der Bindungslosigkeit zum wissenschaftlichen Nachwuchs mit allen daraus erwachsenden Konsequenzen. Dies hat besonders deshalb eine gewisse Tragik, weil die Entwicklung der Kooperationsbeziehungen eine Dialogbereitschaft in den Hochschulen erkennen lässt – vor allem auch in den Fachhochschulen, die noch stärker in die Kooperationsarbeit einbezogen werden sollten. Für den gegenseitigen Wissenstransfer ist eine stärkere Präsenz der Gewerkschaften in den Hochschulen unverzichtbar. Kooperationsstellen können in diesem Zusammenhang zwar Defizite nicht kompensieren, sie müssen aber im eigenen Interesse aktive und kreative Beiträge leisten.

(2010)